Tagungen


Medienästhetik und Hybridisierung zwischen Musikvideo und Medienkunst

Tagung 20.12.2017

Julia Stoschek Collection Düsseldorf

mit Peter Weibel, Dieter Daniels, Renate Buschmann, Thomas Meinecke und Kathrin Dreckmann

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Das Obszöne als politisches Performativ

Atelier der DFH für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler,

veranstaltet von der HHU Düsseldorf, der Universität Wien und der Université de Nantes

Wien, Depot: Kunst und Diskussion, 11.-13. Mai 2017

Das Obszöne steht im Spiel von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, es ist von daher schon immer medial, theatral und politisch. Es hat eine hohe affektive, oder psychoanalytisch formuliert, triebhafte Komponente, die ebenso sexueller wie aggressiver Natur sein kann. Doch ist diese Komponente im Obszönen zugleich ausgestellt und verleugnet. In der Pornografie etwa ist der Körper in seiner Geschlechtlichkeit ausgestellt, die Subjektivität aber auf Seiten aller Beteiligten ist weitgehend ausgeblendet. Wenn Subjektivität als das verstanden werden kann, was zwischen Trieb und Gesetz/Über-Ich vermittelt und eine Erfahrung der Realität und des anderen, der Komplexität und der Differenz ermöglicht, kann man auch davon sprechen, dass im Obszönen eben dies umgangen wird und eine direkte Kopplung von Trieb und Gesetz stattfindet. Wenn etwas etwa durch richterlichen Beschluss als obszön beurteilt wird, dann wird unterstellt, dass es Subjekt und/oder Objekt einer Ansprache aussetzt, der es kaum noch vermittelnd antworten kann. Zugleich wird dadurch aber die Kopplung von Trieb und Verbot bestätigt und nicht selten ausagiert. Es wird also das verleugnet, was eigentlich benannt wird. Das Obszöne ist in diesem Sinne immer auch ein Fetisch. In dem umstrittenen Bereich zwischen Pornografie und Kunst wird dies thematisch.

Doch ist das Obszöne nicht minder aggressiver als sexueller Natur. Das einseitige und ohne Zustimmung erfolgende Eindringen in den privaten oder gar intimen Bereich einer Person, sozial, körperlich, psychisch, ist Gewalt. Obszön wird diese Gewalt spätestens dann, wenn sie gegenüber einem Dritten ausgestellt wird, der unmittelbar oder auch medial präsent ist. Die Ausstellung nimmt den Opfern weiteren Raum ihrer Subjektivität, denn sie unterstellt die soziale Konformität der Gewalt, nimmt ihnen die Möglichkeit der Kommunikation oder sozialen Bindung. Scham ist oft die einzige Form des Widerstandes, die dem Subjekt noch bleibt. Doch ist es auch diese, die bis zur Grenze ihrer Möglichkeit herausgefordert wird.

Das Atelier geht von der Annahme aus, dass Medien wie das Fernsehen und das Internet, die sich in einem schwer bestimmbaren Zwischenraum zwischen Privatem und Öffentlichem angesiedelt haben, die Dynamik des Obszönen intensiviert und vielleicht auch verändert haben. Es ist ein Feld entstanden, dass Hasskommentare, Momente des Reality-TV, (vermeintliche) Snuff-Videos und von Tätern gefilmte Gewalt ebenso umfasst, wie offen fremdenfeindliche Reden von Politikern und Politikerinnen wie Donald Trump, Norbert Hofer, Frauke Petry, Marine le Pen und vielen anderen. Trumps Strategie der Provokation ist nicht nur immer wieder obszön, sie ist geschult an der Erfahrung des Reality-TV. Und nicht zuletzt: Besteht nicht ein enger Zusammenhang zwischen dieser Obszönität und der neoliberalen Entgrenzung und Auflösung aller sozialen Bindungen? Beuten diese Strategien damit nicht die von Neoliberalismus betriebene Prekarisierung zusätzlich aus?

Das öffentliche Ausagieren von rationalisierter Lust an der Aggression etabliert Macht. Dem Anderen immer zu nahe treten, die Vermittlung überlaufen, das eigene Begehren zugleich ausstellen und verleugnen: die politische Nutzbarkeit dieser Gewalt ist nicht neu. Schon der Nationalsozialismus hatte das perfekt inszeniert, es steckt wohl in jedem Rassismus und im misogynen Zug männlicher Herrschaft. Wie ist dem zu begegnen? Kann man sagen, dass Kunst, Literatur, Film, Performance, sicher auch Fernsehen und andere mediale Anordnungen dagegen einen Spielraum zu schaffen versuchen, der nicht schon Ich ist, aber eine Entkopplung der Verknüpfung von Lust und Verbot ermöglicht? Lassen sich in den medialen Gefügen die Verhältnisse von Zwang und Spiel, Beschämung und Nähe überhaupt so deutlich trennen? Ist vielleicht unsere Ratlosigkeit darin begründet, dass die Doppelgesichtigkeit des Affekts so wenig auflösbar wie die Grenze zwischen Innen und Außen rekonstruierbar ist. Ist der Spielraum auch als technischer denkbar.

Und geht es in der Aufarbeitung von massiver Gewalt in Prozessen des Übergangs nicht ganz zentral um die Aufhebung dieser Ausschaltung der Reflexion? In den Wahrheits- und Versöhnungskommissionen ebenso wie in Theaterstücken, Filmen, Videoarbeiten, etwa bei Milo Rau, bei Joshua Oppenheimer und Omer Fast?


The Ends of Being Human, or What if Culture was Nature all Along

Workshop mit Vicki Kirby

in Zusammenarbeit mit der Universiteit Utrecht

Am 13. und 14. Januar 2017 veranstalten wir in Zusammenarbeit mit der Universität Utrecht, der Kunstakademie Düsseldorf, dem Netzwerk Terra Critica und dem Institut für poetische und ökologische Praktiken des Wissens einen Instensivworkshop mit der australischen Philosophin Vicki Kirby. Er beginnt am Freitag um 14:45 in der Kunstakademie (Raum 104), am Samstag um 10:00 im Haus der Universität (Raum 2 im 2. Stock). Download Pdf undefined

 


Forschungsatelier DFH

„Überschreiten, berühren, umformen. Figuren der Grenze in Theater, Film und Medien“

Universität Düsseldorf, Universität Nantes, Universität Wien
Wien, 30. und 31. Mai 2014

Das erste gemeinsame Forschungsatelier der Universitäten Düsseldorf, Nantes und Wien fand im Juni 2012 in Nantes statt. Es bestach durch regen wissenschaftlichen Austausch, direkte und intensive Kommunikation zwischen deutschen und französischen Studierenden, NachwuchswissenschaftlerInnen, Vortragenden und Lehrenden aller drei Studienstandorte.
Nach der Einführung des trinationalen Masterstudiengangs „Medienkulturanalyse. Theater- und Medienkulturen im transnationalen Raum“ im Herbst 2013 ist nun die jährliche Konzeption und Durchführung eines Workshops als erweiterter curricularer Bestandteil des Studiengangs geplant.

2014 ist der Austragungsort des Workshops Wien, denn die trinationalen Studierenden verbringen ihr zweites Semester am dortigen Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Der Workshop wird vom Institut Français d'Autriche-Vienne unterstützt, das Räume und Infrastruktur für die Veranstaltung zu Verfügung stellt.

Die Ziele des Forschungsateliers sind dreifach.
Zunächst gilt es, das trinationale Element zu stärken. Einerseits werden die bereits äußerst tragfähigen Beziehungen zwischen den drei beteiligten Universitäten weiter ausgebaut und inhaltlich vertieft. Andererseits wird der bisherige Studienverlauf in einer gemeinsamen Table ronde diskutiert, Anregungen der Studierenden werden aufgegriffen und integriert.
Des Weiteren bietet sich das Forschungsatelier als Forum für NachwuchswissenschaftlerInnen an. Dies bezieht sich in besonderem Maße auf die trinationalen Studierenden. Sie werden in die konzeptionelle Ausgestaltung des Workshops, in das Programm (durch Moderationen und Respondenzen), in die Umsetzung und Durchführung sowie in strukturelle Aufgaben wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eingebunden.
Wesentlich bleibt der dritte Punkt: die wissenschaftliche Auseinandersetzung entlang eines gemeinsamen Forschungsinteresses. Die Grenze – der Leitbegriff des diesjährigen Ateliers – trennt und verbindet. Sie bringt Eingeschlossenes und Ausgeschlossenes in Kontakt, Geformtes und Formloses, Eigenes und Fremdes, Aktivität und Reflexivität, Ereignis und Maschine. Als Figur des Dazwischen und des Übergangs fordert sie heraus, theatrale, mediale und soziale Paradigmen neu zu befragen, anders zu denken.


Denkweisen des Spiels

Workshop der AG Medienphilosophie der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)

17./18. März 2014
Haus der Universität, Schadowplatz 14, 40212 Düsseldorf

Call for Papers: Gibt es Spiel, gibt es auch Zwischenraum. Spiel bringt Dinge in Rela­tion und verändert sie dadurch. Kein Gelenk funktioniert ohne Spiel. Spiel bedeutet Bewegung: räumlich, zeitlich, modal. Sitzt eine Schraube fest, gibt es zu wenig Spiel zwischen Metall und Holz. Diffe­renz und Wiederholung sind zeitliches Spiel. Innere und äußere Welt, Fiktion und Realität, Regel und Übertretung: alle aufeinander bezoge­nen Differenzen der Wahrnehmung von Wirklichkeit befinden sich in einem Verhältnis des Spiels. Mit Kant wissen wir, dass unsere Vermö­gen zueinander in einem Verhältnis des Spiels stehen, mit Winnicott wissen wir, dass wir ohne Spiel keine Beziehung zwischen Subjekt und Objekt hätten, mit Turner, dass wir ohne Spiel kein Verhältnis von Individuum und Kollektiv kennten, mit Fonagy, dass wir ohne Spiel nie zu einer Erfahrung der Intersubjektivität kämen. Doch wäre es nicht an der Zeit, den Begriff des Spiels nicht mehr nur auf das Subjekt und seine Vermögen zu beziehen? Gibt es eine spezifische Medialität des Spiels, die es sinnvoll macht, das Verhältnis jeden Ereignisses zu sei­ner Umgebung als Spiel zu beschreiben?

a) Logiken des Spiels: Spiel umfasst sehr unterschiedliche Logiken, und doch verbinden wir sehr verschiedene Praktiken und Verhältnisse mit diesem Begriff. Zum Beispiel unterscheiden sich nach Deleuze/Guattari Go und Schach wie Staatsapparat und Kriegsma­schine.

b) Spiel und Technik: Immer dann, wenn Technik mit mechanischen Bewegungen verbunden wird, sehen wir sie im Gegensatz zum Spiel. Immer dann, wenn Technik mit Ästhetik verbunden wird, taucht das Spiel als Teil der Technik auf. In welcher Weise können Spiel und Technik zusammengedacht werden?

c) Spiel und New Materialisms: Wenn Materie als rhythmische Bewe­gung gedacht wird und Spiel auf Wiederholung basiert, steht dann nicht der Spielbegriff im Zentrum einer medienwissenschaftlichen Lektüre der Relationalität aller Ereignisse?

 

Der Workshop soll Ort der gemeinsamen Diskussion und der Entwick­lung neuer Forschungsperspektiven sein. In Anlehnung an die Prinzi­pien der DFG-Symposien ist deshalb geplant, dass die Teilnehmerin­nen und Teilnehmer zuvor ihre Beiträge austauschen und dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer die Aufgabe übernimmt, den Bei­trag einer anderen oder eines anderen vorzustellen. Deshalb sol­len die eingereichten Beiträge auch nur 8 bis 12 Seiten umfassen. Einsendeschluss ist der 23. Februar 2014, damit die Papiere gesam­melt und elektronisch an alle Teilnehmer verschickt werden können.

 

Senden Sie Vorschläge für Beiträge auf dem Workshop bitte bis zum 30.11.2013 an einen der beiden Veranstalter:

Prof. Dr. Astrid Deuber-Mankowsky, Institut für Medienwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum, undefinedE-Mail

Prof. Dr. Reinhold Görling, Institut für Medien- und Kulturwissenschaftschaft, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, undefinedE-Mail

Weitere Informationen: Call for Papers - Denkweisen des Spiels (PDF)Im Zentrum des Workshops soll das diskursive Gespräch stehen. Deshalb werden alle Paper 14 Tage vorher an die Teilnehmer verschickt. Aus diesem Grunde ist auch eine Anmeldung bis spätestens 2.3.2014 erforderlich. Diese bitte an undefinedE-Mail



Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenProf. Dr. Reinhold Görling