"Unser Kamerun?"

Eine Filmreihe zu den (post-)kolonialen Verbindungen Deutschland/Kamerun

Konzept: Martin Doll, Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

"Unser Kamerun", ganz ohne Fragezeichen, lautet 1936 der Titel eines deutschen Dokumentarfilms, verbunden mit den entsprechend eindeutigen Gebiets- und Deutungsansprüchen. 2017, ergänzt nur um das Fragezeichen, ergibt sich bereits eine völlig andere Sichtweise: eine, die historisch problematisiert, die anders gewichtet und sämtliche an den (post-)kolonialen Verbindungen Deutschland/Kamerun Beteiligte gleichberechtigt zu Wort kommen lassen will.

Unter dem daher fragenden Motto "Unser Kamerun?" wird die Filmreihe schlaglichtartig das komplexe Gewebe wechselseitiger Beeinflussungen von Kamerun und Deutschland vor Augen führen und auf den Grund gehen. Die einzelnen Vorführungen, ergänzt um kurze einführende Impulse und Diskussionen, rücken vor allem die unterschiedlichen Beobachtungsperspektiven in den Vordergrund. Insgesamt wird ein Bogen gespannt von den frühen, sogenannten "volksbildenden" Expeditions-Filmen nach Kamerun aus der Zeit des Dritten Reiches bis hin zu aktuellen (post-)kolonialen europäischen und kamerunischen Perspektiven auf das Land und seine bewegte, bis heute fortwirkende Kolonialgeschichte.

Die Filmreihe begleitet die Ausstellung "Koloniale Verbindungen - Rheinland/Grasland, Deutschland/Kamerun", die vom 12.-28. September im Stadtmuseum Düsseldorf zu sehen ist.

undefinedFlyer mit Septemberprogramm Black Box

13.09. 20 Uhr: Auftakt der Filmreihe

Perspektiven auf Kamerun

Knapp 20 Jahre nach Ende des 1. Weltkriegs reist der deutsche „Expeditionsfilmer“ Paul Lieberenz nach Kamerun. Die Perspektive seiner Dokumentationen bewegt sich zwischen Naturbegeisterung, Exotismus, Rassismus und Kolonialnostalgie. Der Zeitpunkt ist kein Zufall, denn zwischen 1925 und 1939 wurden zahlreiche ehemalige deutsche Plantagen von deutschen Firmen zurückgekauft.

Die sogenannten ‚Kulturfilme‘ laufen 1936 als Vorprogramm in deutschen Kinos und tragen, als „staatspolitisch wertvoll“ eingestuft, seinerzeit maßgeblich zum Bild Kameruns in Deutschland, v.a. von der Rolle der Deutschen vor Ort, bei. Genauer betrachtet sind sie jedoch auch Dokumente eines sehr ambivalenten Verhältnisses. Sie gehörigen zugleich zu den ältesten in Kamerun gedrehten Filmen.

Als buchstäbliche Gegendarstellung zeigen wir im Anschluss daran die kamerunische Dokumentation KUVA LIKENYE AND THE BAKWERI ARMED RESISTANCE TO GERMAN COLONIZATION. Der Film folgt aus kamerunischer Perspektive den Spuren des erfolgreichen Widerstands der Gruppe der Bakweri 1891 in Buea gegen die blutige Militärexpedition unter dem deutschen Offizier Karl von Gravenreuth.

Weit entfernt von Opfernarrativen, die noch immer unsere Vorstellung der deutschen Kolonialgeschichte prägen, setzt der Film ein facettenreiches Bild des Widerstands gegen das brutale Vorgehen der Deutschen in Kamerun zusammen. Der Filmemacher spricht mit Menschen aus Kamerun, die aktiv das Gedächtnis an die Kämpfe bewahren und führt die Zuschauer zu den Erinnerungsorten, die von der in Deutschland weitgehend unbekannten historischen Begebenheit zeugen. Kuva Likenye, der Chief der Bakweri, wird bis heute in Kamerun als Held verehrt.

Teil 1: Das deutsche Bild von Kamerun: Historische Dokumentarfilme von Paul Lieberenz

·       FAHRT NACH KAMERUN (D 1936), 35 mm, 12 min

·       DEUTSCHE PFLANZER AM KAMERUNBERG (D 1936), 35 mm, 25 min

·       IM UNBEKANNTEN KAMERUN (D 1936), 35 mm, 13 min

Teil 2: Koloniale Gewalt aus Sicht der Kameruner

·       KUVA LIKENYE AND THE BAKWERI ARMED RESISTANCE TO GERMAN COLONIZATION (CMR 2008), 28 min. Regie: Kome Epule Mathias

Die Filme werden von Forscherinnen und Forschern der Université de Dschang (Kamerun) und der Heinrich-Heine-Universität kurz vorgestellt. Nach der Vorführung gibt es eine Gesprächsrunde mit allen Beteiligten: Caroline Authaler, Prof. Dr. Albert Gouaffo, Prof. Dr. Stefanie Michels, Dr. Omer Tadaha, Dr. Richard Tsogang Fossi, Moderation: Jun.-Prof. Dr. Martin Doll.

Datum/Uhrzeit: Mittwoch, 13.09.2017, 20 Uhr 
Ort: Black Box-Kino im Filmmuseum, Schulstraße 4

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenProf. Dr. Reinhold Görling